Die Vorgeschichte der Helikopterfliegerei
Die Vorgeschichte des Helikopters reicht vom Jahre 2000 v. Chr. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.
Der Erfinder des Helikopters heisst. Leonardo da Vinci (Italien), Michail Lomonossow (Russland),
Sir George Cayley (England), Gustave Ponton d'Amecourt (Frankreich), Enrico Forlanini (Italien),
Louis Bréguet (Frankreich), Professor Henrich Focke (Deutschland), Igor Sikorsky (Russland-USA) oder?
Eine ganze Ahnengalerie von bekannten und unbekannten Helikopter-Erfindern könnte man zusammenstellen.
Unbekannt wie der Erfinder des Rades ist der Chinese, der vor vielleicht 2500 Jahren den ersten
Spielzeug-» Helikopter « erdachte, einen runden Stock mit Hühnerfedern an beiden Enden.
Mit Drehung aus den Handflächen oder mittels einer Schnur brachten die Chinesenkinder ihren
Federstab-Helikopter zum Rotieren und zum Fliegen. Der grosse griechische Mathematiker und Physiker Archimedes (287-212 v. Chr.) stellte die Behauptung auf,
dass jeder in Flüssigkeit oder Gase getauchte Körper entsprechend seinem spezifischen Gewicht einen
Auftrieb erhält. Dieses Gesetz vom Auftrieb ebenso wie seine Erkenntnisse über die Funktion der Schraube,
damals in der Wasserförderung schon praktisch angewandt, gereichte 1700 Jahre später dem Universalgenie
Leonardo da Vinci (1452-1519) zur Erkenntnis, dass die Luft eine für die Auftriebserzeugung eines sich
drehenden Blattes erforderliche Dichte aufzuweisen hat. Er folgerte, dass eine spiralförmige Fläche,
an einem vertikalen Mast mit entsprechender Geschwindigkeit in Umdrehung versetzt, imstande sein müsste,
eine Last vom Boden zu heben und in der Luft zu halten. Leonardo da Vinci entwickelte somit erstmals
das Helikopter-Prinzip mit der Konstruktionszeichnung einer Spiralschraube, für die er auch den Wortstamm
für den heutigen Begriff »Helikopter« erfand, aus dem Griechischen »helix« = spiralförmig und »pteron« = Flügel.
Seine Tagebuchblätter, in denen diese Konstruktion aufgezeichnet ist, kamen erst gegen Ende des
19. Jahrhunderts wieder zum Vorschein, als sie in einer Bibliothek in Florenz entdeckt wurden. Versuche,
aus mittelalterlichen Zeichnungen die Grundlagen für einen » Helikopter « ableiten zu wollen, sind in der
Praxis meist zum Scheitern verurteilt. Als Beispiel hierfür ist das Altarbild aus dem 15. Jahrhundert zu sehen,
welches den Jesus-Knaben mit einem Propeller-Spielzeug darstellt und unter dem Namen »Göttliche Jungfrau
mit dem Helikopter « im Museum von Le Mans (Frankreich) ausgestellt ist. Mühlenflügel und Hubschrauberblätter
stehen eben nurbedingt miteinander in Verbindung. 1768, somit 250 Jahre nach Leonardo da Vincis Konzept der
Spiralschraube, hat der berühmte Mathematiker J. P. Paucton der französischen Akademie der Wissenschaften
den Entwurf für ein Muskelkraft-Flugzeug (»Pterephore«) vorgelegt, bei dem je eine Luftschraube für den Auftrieb
und für den Vorwärtsflug vorgesehen war. Wie Leonardo hat Paucton dieses Projekt nur auf Zeichnungen
dargestellt, von einem Modellbau oder gar Erprobungen liegen keine Nachrichten vor. Das koaxiale Rotorkonzept
wurde zu jener Zeit von Michail Lomonossow (1711-1765) ein Gründer der ersten russischen Universität und
»Vater der russischen Wissenschaften« erstmals praktisch demonstriert. Lomonossow beabsichtigte,
mit seinen von Federwerken angetriebenen Hubschraubermodellen Instrumente zur Messung von Luftdichte und
Temperaturen in verschiedene Höhen zu befördern.
Bemerkenswert sind die Belastungsversuche, die er damals zur Ermittlung der Tragkraft seiner Konstruktion
über einen Waagebalken mit Gewichten anstellte. 1781 befasste sich François Blanchard in Frankreich in
Zusammenarbeit mit dem Abbi de Viennay mit der Konstruktion eines »fliegenden Schiffes«. Schwingenflügel in
horizontaler Ebene mit Muskelkraft von Menschen in Bewegung gesetzt, Hilfsflügel und ein
Steuerruder sollten dem Apparat zum Abheben vom Boden und zu weiteren Flugmanövern verhelfen.
Einen Schritt weitergehend als Paucton wollte er seine Theorie mit einem 'versuchsaufbau
unter Beweis stellen und kam zu dem Ergebnis, dass die Antriebskraft ohne einen Motor- bei
weitem nicht ausreicht. Seinen Traum vom Fliegen verwirklichte er dann als erfolgreicher
Ballonfahrer;
sein Misserfolg mit der Muskelkraft veranlasste ihn, sich für die Einführung
des Dampfmotors im Flugwesen einzusetzen. Einige Jahre später (1784) führten
die Franzosen Launoy und Bienvenu der Akademie der Wissenschaften ein Spielzeug vor,
das mit zwei gegenläufig arbeitenden Rotoren Flüge bis zu 20 m in Höhe
vollbrachte. Sie verwendeten einen Bogen als Antrieb und wie bei den alten - oder richtig gesagt:
jungen - Chinesen, bestanden die Rotoren aus Hühnerfedern. George Cayley (er lebte von 1773 bis 1857
auf dem Schloss Brompton Hall in Yorkshire/England) war elf Jahre alt, als er erstmals Kenntnis von
diesem in Paris vorgeführten Flugmodell erhielt.
Vorher hatte er bereits nach dem Vorbild der Gebrüder Montgolfiere mit Papierballons
und Kerzen experimentiert, jetzt befasste er sich mit der gleichen Begeisterung mit dem Bau von
Koaxial-Helikopter-Modellen. Berühmtheit erlangte er jedoch vor allem durch seine wissenschaftlichen
Untersuchungen der aerodynamischen Voraussetzungen
für Flächenflugzeuge und Drachenflugzeuge, die auch von späteren Generationen
als richtungweisend anerkannt wurden.
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