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Rückenflug

 

Hier folgen meine Notizen zum Rückenflug. Ein Heading-Hold Kreisel ist hier Pflicht, zumindest solange man noch kein Experte ist.

Ob man mit Rückenschweben oder Rückenrundflug beginnt, ist Geschmackssache. Auf jeden Fall führt nur eine Kombination von:
* viel Simulatortraining
* Rückenrundflug
* Rückenschweben
zum Erfolg. Ich habe zuerst mit dem Simulator und Schwebeversuchen die Motorik erlernt um dann intensiv den Rundflug zu üben, immer gemischt mit Schwebeeinlagen.


Rückenschweben

 

Bei vielen kommt erst der Rücken-Rundflug, vielleicht weil man es von Flächenmodellen schon gewöhnt ist. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass der Rundflug zum Desaster wird wenn das Schweben nicht klappt. Wenn man im Rundflug die Nase zu hoch nimmt, steht der Hubi plötzlich und ist im Schwebeflug, und was dann ... Panik. Daher gehe ich den anderen Weg und lerne zuerst das Rückenschweben und erst dann den Rückenrundflug.

Aus der früheren Schwebe-Lernzeit weiß ich, dass es anfangs ziemlich schwierig sein kann. Zudem hat man im Rückenflug nicht mal einen Hullareifen zur Hilfe. Daher entschloss ich mich das ganze erst mal am Simulator ausgiebig zu üben. Wie sich gezeigt hat, ein guter Entschluss. Ich begann im Februar 1999. Die ersten Versuche am Simulator endeten bereits nach Sekunden im Crash. Es war zum verzweifeln. Das ganze ist so extrem schwierig, dass ich fast schon aufgeben wollte. Ich reduzierte daher meine Übungszeiten und flog nur mehr 1x pro Woche am Simulator. Aber mit der Zeit kommt die Übung und es wurde langsam doch immer besser. 7 Monate später konnte ich im Simulator bereits sehr lange Rückenschweben und war nicht mehr Absturz gefährdet. Dabei machte ich (zufällig) eine Sache perfekt richtig: Ich übte von Anfang an mit dem Heck in allen möglichen Richtungen und legte mich nicht auf die Heck-zum-Piloten Position fest. Das spart jetzt viel Zeit, da ich keine Vorzugsrichtung habe. Das ganze kam zufällig zustande, da die Kontrolle des Hecks im Rückenflug sehr ungewohnt ist und ich ziemliche Schwierigkeiten hatte. Daher war der Hubi im Simulator immer in allen möglichen Positionen.

Nachdem es also im Simulator klappte, wagte ich erste Versuche mit dem Kobold von VARIO.. Den Hubi mit einem halben Überschlag auf den Rücken legen, volle Konzentration, und Kämpfen solange es geht. Zuerst klappte es nur Sekunden. Nach 1 Stunde konnte ich fast einen ganzen Tank am Rücken Leerschweben und benötigte dazu nur mehr ca. 10 x 10 Meter Platz. Das Simulatortraining war unumgänglich denn sonst hätte es nur Bruch gegeben.

Ein großes Problem ist Anfangs die Orientierung. Besonders beim Umdrehen des Hubis gibt es kurze und manchmal längere Unsicherheiten. Wenn man da zu nah am Boden ist, hilft nichts mehr und es kracht. Es gibt jetzt 4 Situationen: Normalschweben, Nasenschweben, Rückenschweben, Rückennasenschweben. Beim Übergang von einer Position in eine andere muss das Gehirn umschalten. Das erfordert viel Erfahrung und Übung.

 

Rückenschweben Training

 

 

Die Umstellung der Orientierung zwischen den einzelnen Fluglagen ist ein echtes Problem. Zwei Crashs sind genug um diese Erfahrung zu bekommen. Das große Problem ist, dass in der Luft nicht ausreichend Zeit zum Üben ist, außerdem schwebt man dauernd in Absturzgefahr. Ein weiteres Problem ist, dass in großer Sicherheitshöhe der Hubi schlecht erkennbar ist, was die Orientierung nochmals erschwert. Natürlich kann man es auch so lernen, aber das braucht Zeit.

Zuviel Geduld hatte ich noch nie beim Fliegenlernen also war es notwendig eine andere Trainingsmethode zu finden die schneller zum gewünschten Ziel führt. Voraussetzung ist allerdings, dass es am Simulator bereits problemlos klappt. Ansonsten sollte man hier nicht weitermachen und wieder an den Bildschirm zurückkehren.

Ein Eco-Pilot schrieb mir von einem speziellen Rücken-Trainingsgestell. Er baute ein Gestell in welches der Hubi kopfüber aufgehängt wurde und trotzdem am Boden stand. Das Ding sah aus wie ein umgedrehter Wäschekorb. Das funktioniert ganz gut, ist aber ein beträchtlicher Aufwand.
Dann erinnerte ich mich an einen Bericht im "Rotor" wo jemand lediglich die Fernsteuerung umprogrammiert hat um in Normallage die Steuereigenschaften des Rückenflugs zu simulieren. Um das richtige Rückenfluggefühl zu bekommen, montierte er die Kabinenhaube verkehrt herum. Der Hubi stand aber ganz normal am Boden.

 

ecoinv.jpg (73048 Byte) Diese Methode scheint mit geringstem Aufwand realisierbar zu sein. Außerdem hat man den Vorteil, dass man laufend zwischen Normal- und Rückenfluglage umschalten kann, um das normale Fliegen nicht zu verlernen. Schnell war der alte Hullareifen wieder aus dem Speicher geholt, ein Holzkreuz montiert und der Eco darauf befestigt.

Folgende Funktionen sind in Rückenlage verdreht: Pitch, Nick und Heck.

Bei der Programmierung der MC-24 ging ich so vor:

* Eine Kopie des ECO8 Modellspeichers machen und in ECO8-Rücken umbenennen.
* Empfängerausgang 3 und 5 vertauschen. Damit funktioniert das Nick-Servo verkehrt herum. Das geht allerdings nur beim ECO8 oder anderen Hubis mit dieser Taumelscheibenbelegung.
* Richtung des Heckservos umkehren. (Achtung ! Der Kreisel darf nicht umgepolt werden. Er funktioniert in allen Fluglagen gleich).
* Pitch min/max Stellung umdrehen.

Sehr problematisch ist der Übergang von der Rücken- in die Normalfluglage. Damit habe ich schon 2 Crashs gebaut bevor ich mit dem Hullareifen anfing. Auch mit dem Hullareifen kann man diese Probleme gut sehen (komischerweise passiert das am Simulator nicht). Daher fliege ich immer maximal 30 Sekunden in Rückenlage und dann wieder eine Minute normal. Erst schrecklich langsam lernt das Gehirn beide Flugzustände zu unterscheiden, aber man merkt einen Erfolg. Es ist wirklich erstaunlich, wie "dumm" man sich anstellen kann und wie verwirrend dieses Rückenfliegen ist.

Vereinzelt haben Piloten Angst, dass durch diese Methode der visuelle Eindruck nicht richtig erlernt wird, da der Rotor ja immer oben ist. Ich konnte dazu aber bisher keine Probleme feststellen. Es geht ja nur darum die Motorik zu lernen. Außerdem flog man früher mit Rückenflugschalter, was ja auch verkehrt herum war.

Nach 1 Monat beendete ich diese Trainingsmethode um wieder realistischere Fluglagen zu haben. Inzwischen ist die Absturzgefahr nicht mehr so groß, dass ich mich normales Fliegen traue.

Ab jetzt übe ich am Flugplatz folgendes:

1. Start und Umschalten auf Heading-Lock Mode sowie hohe Drehzahl (1550 U/min beim ECO-8)
2. Ein kurzer normaler Rundflug zur Eingewöhnung
3. Schweben in 30m Höhe, voll Roll und den Hubi auf den Rücken drehen.
4. ca. 10 Sekunden Rückenschweben dann wieder zurückdrehen
5. Stark (!) drücken um schnelle Vorwärtsfahrt einzuleiten und einen kurzen Rundflug machen. Dann weiter bei Punkt 3.

Achtung: Besonders Punkt 5 war bei mir entscheidend ! Nach dem Umdrehen in die Normallage, hat das Hirn Schwierigkeiten die Steuerkommandos in Normallage zu geben. Man steuert immer noch Rücken-Kommandos. Die geistige Umstellung erfolgt bei mir wesentlich einfacher, wenn ich einen schnellen Vorwärtsflug mache. Dann kommt das Gefühl gleich wieder zurück. Macht man das nicht, besteht die große Gefahr, dass man zuviel zieht und der Hubi in den Rückwärtsflug geht. Damit wäre das Chaos und die Verwirrung perfekt und ein Absturz vorprogrammiert.

Wichtig: Entscheidende Erfolge konnte ich erst verbuchen, als ich mit einem Verbrenner Heli übte. Der Eco-8 ist nun mal sehr labil und nicht besonders durchzugsstark. Das macht die Sache erheblich schwieriger. Als ich begann mit dem Ergo-50 zu üben beschleunigten sich die Lernerfolge um das mindestens dreifache.

 

Rückenrundflug

 

Nachdem das Schweben einigermaßen klappte, begann ich kurze Strecken im Rückenflug zurückzulegen. Da ich immer noch Probleme mit der Rolle habe, machte ich einen halben Looping um in Rückenlage zu kommen. Das hat den Vorteil, dass man ausreichend Fahrt hat und noch nicht schwebt. Auch hier war wieder die Orientierung das größte Problem. Ein Heli in Rückenlage sieht nun mal sehr ungewohnt aus.
Übrigens: Schönes Wetter mit blauem Himmel erleichtert die Orientierung enorm. Weiße Wolken erschweren sie. Immer eine kontrastreiche Sonnenbrille tragen !

Sobald der Hubi also in Rückenlage ist, muss mit Nick sorgfältig dosiert in eine gerade Fahrt gegangen werden. Zieht man zuviel, fliegt man schräg hinunter (gefährlich), zieht man zuwenig, kann man ihn ausbremsen und in den Schwebeflug gehen. Zieht man noch weniger, könnte der Hubi mit dem Heck voraus hinunterfallen (sehr gefährlich !). Solange man die richtige Dosierung von Nick noch nicht im Gefühl hat, muss man einen Notausgang bereithalten:

 

Notausgang aus der Rückenlage: Voll negativ Pitch und voll Nick DRÜCKEN.

 

Der Hubi macht einen halben Außenlooping, steigt und ist wieder in Normallage. Der große Vorteil: man gewinnt dabei Sicherheitshöhe !

Diesen Notausgang sollte man am Simulator üben und vor jedem Flug mehrmals geistig durchgehen (so ähnlich wie Ski-Slalomläufer, die vor dem Start ihre Tore im Geist durchgehen). Sobald man diesen Notausgang blind beherrscht sinkt die Crashgefahr bedeutend. Einen Nachteil gibt es leider auch hier: wenn der Hubi schräg in der Luft liegt, so wird er auch aus dem Notausgang irgendwie schräg herauskommen. Das kann sehr verwirrend sein und man braucht viel Konzentration um das auszusteuern. Auch hier hilft wieder: Drücken und Vorwärtsfahrt aufnehmen.

Ich habe also gerade Rückwärtsflugstrecken von links nach rechts geübt. Später dann von rechts nach links. Als nächstes folgten die Kurven. Dummerweise funktioniert die Hecksteuerung verkehrt herum, daher sollte man die Kurven zuerst am Simulator ausgiebig üben !
Nach einer geraden Strecke flog ich erst mal eine 90 Grad Kurve, dann sofort der Notausgang. Das wiederholte ich immer wieder bis es ohne Herzklopfen klappte. Nun kam der unangenehme Moment einmal eine 180 Grad Kurve zu fliegen, die 90 Grad Kurve also weiterzumachen. Dieser Schritt war mir äußerst unangenehm und verursachte erhebliches Knieschlottern. Ich habe diese Versuche auch mindestens 10 mal abgebrochen. Irgendwann kam ich aber dann doch durch die Kurve, und siehe da, plötzlich war alles gar nicht mehr so schwierig. Offensichtlich war es nur eine mentale Blockade, die jetzt beseitigt war. Nicht mehr ganz so schwer war die Vervollständigung zur 360 Grad Kurve, also dem Vollkreis.

Sobald das geklappt hatte, war nur noch das Gefühl für das richtige Zusammenspiel zwischen Roll, Nick und Heck in der Kurve zu verbessern. Vor allem das Heck hatte erhebliche Schwierigkeiten gemacht und viel Simulatortraining war nötig um das in den Griff zu bekommen. Wenn aber mal der Knopf im Hirn aufgegangen ist, so eröffnet sich eine neue Welt der Helifliegerei. Es ist ein unbeschreiblich befriedigendes Gefühl wenn man sich in der Luft drehen und wenden kann wie man will ohne dabei die Kontrolle zu verlieren.

Ein erfahrener 3D Pilot hat mir einen sehr guten Ratschlag gegeben: NICHTS ERZWINGEN !

Wenn eine Figur nicht klappt, oder man sie schlecht angeflogen hat oder wenn eine Mücke nervt, oder was auch immer: die Figur sofort abbrechen. Niemals versuchen den Heli durch eine Figur durch zu zwingen. Erst wenn alles stimmt die Figur ausführen.

Bis das Rückenfliegen sicher und fast unbewusst geschafft war, hat es aber doch noch ein zusätzliches Jahr gedauert.


Das letzte Kapitel findet Ihr unter Rückwärtsflug



Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 16. Juli 2009 um 21:19 Uhr
 
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